Der Kapitalismus macht einige wenige reich, die Masse aber arm: Das
ist nicht der ideologische Rundumschlag realsozialistischer
Ewiggestriger, sondern eine historische Grunderfahrung.
Marktwirtschaft und Liberalismus mußten die Krise unserer Zeit, die
Massenarmut, zwangsläufig hervorrufen, denn der Kapitalismus war
niemals imstande, die von ihm hervorgebrachten Potenzen für eine
Verbesserung des Lebens aller Menschen anzuwenden, die er unter sein
Gesetz gezwungen hat.
Die provokante Bilanz des Philosophen Robert Kurz, Autor des
Erfolgsbuches Der Kollaps der Modernisierung, analysiert die
unheilvolle Geschichte des Kapitalismus anhand von historischen und
soziologischen Fakten. Sie zeigt, weshalb die Wachstumsdynamik der
letzten 200 Jahre zwangsläufig erlischt und warum das bisherige System
von Arbeit, Geldeinkommen und Warenkonsum nicht mehr zu retten ist.
Denn der großen Masse der Menschheit ist es bis heute eher schlechter
als besser gegangen: diese Sichtweise resultiert aus Kurz' konsequenter
Konzentration auf den Lebensstandard des Individuums wie der
Allgemeinen Wohlfahrt.
Natürlich hat der Kapitalismus die technischen Fähigkeiten der
Menschen gesteigert. In welche Begriffe er sich jedoch zu hüllen pflegt,
ob er als "soziale" oder "freie" Marktwirtschaft daherkommt, das
Wohlbefinden der Menschen konnte der Kapitalismus bis zum Ende
dieses Jahrtausends nicht bessern. Im Gegenteil, der Lebensstandard
sinkt, die Arbeitslosigkeit nimmt zu und der Ausweg in die
Dienstleistungsgesellschaft erweist sich als Illusion, denn die
Marktwirtschaft wird mit ihren Produktivitätssprüngen - Automation,
Lean Production, Globalisierung - nicht mehr fertig.
Das Schwarzbuch Kapitalismus ist keine Erbauungslektüre für die
Apologeten des "Marktes", denn es gipfelt in der Erkenntnis, dass uns
nur noch ein Abenteuer bevorsteht: die Überwindung der
Marktwirtschaft jenseits der alten staatssozialistischen Ideen. Danach
mag eine andere Geschichte beginnen. |
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Taschenbuch Ullstein Verlag 938 Seiten 12.95 Euro Bestellnr. L 8365
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