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Reimund Neumann gelesen Juni 2000

Maria Isabel Molina: Der Herr der Null

Wie die Mathematik nach Europa kam

Ein Hauch vom maurischen Glanz Córdobas, seiner kulturellen Blüte und Toleranz spiegelt sich in der Jugend von Sidi Sifr, der die Verbreitung des arabischen Zahlensystems in ganz Europa bewirkte. José, ein Christenjunge, spielt mit den Zahlen. Das hat ihm die Bewunderung seiner Mitschüler und den Spitznamen Sidi Sifri 'Herr der Null' eingetragen. Aber José ist ein Christ. Es wäre ein Affront gegen die mohammedanischen Besetzer Córdobas, würde er den Preis des Kalifen für den besten Schüler gewinnen. Der Neid eines Konkurrenten, die höchst verzwickten Machtverhältnisse zwingen José sich in ein christliches Kloster zurückzuziehen.

Mit sich nimmt er sein Wissen über das arabische Zahlensystem, so wie es ihn der Gelehrte Al Kowarizmi gelehrt hat. Es beruht auf der Reihenfolge der Zeichen gemäß ihrer Werte und ermöglicht durch die Einführung der Null, die es im römischen Zahlensystem nicht gibt, sehr viel schnelleres und genaueres Rechnen. Aber auch im Kloster erfährt José Engstirnigkeit und irrationale Feindseligkeit. Seine Instrumente, um die Sterne zu beobachten, erscheinen als Zaubergegenstände, die Mathematik als schwarze Kunst und Ketzerei. Und so bleibt ihm erneut die Flucht, doch die arabische Methode der Mathematik zieht mit ihm.

Soweit der Inhalt. Das kleine Büchlein, als Jugendbuch gedacht ist auch für Erwachsene gut zu lesen. Es zeigt im Hintergrund, das große kulturelle Fortschritte im Kontakt unterschiedlicher Kulturen entstehen. Wer mathematisch nicht "vorbelastet" ist hat die Null bisher sicher als selbstverständlich hingenommen. Sie ist aber eine der entscheidenden Entwicklungen ohne die moderne Mathematik nicht denkbar wäre. Diese kulturelle Leistung vollbrachten nur die Mayas und die Inder. Die Rechenmethode wurden von den Arabern übernommen und fand ihren Weg über Spanien nach Europa. Cordoba war in jener Zeit - im neunten und zehnten Jahrhundert - eine Metropole mit fünfhunderttausend Einwohnern. Europäische Städte erreichten in jener Zeit nicht einmal ein Zehntel davon. So ist dieses Buch auch ein Plädoyer für Toleranz und Austausch zwischen den Kulturen.

    

Gebunden, 12x19 cm
Altberliner Verlag
190 Seiten
24.00 DM
Bestellnr. L 8214



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