Die Lippische Landeszeitung schrieb am 21. Februar 2005 über den Richter und Krimiautor Andreas Hoppert und seinen Krimi "Der Fall Helms"
Das zweite Herz in seiner Brust
VON MARTIN HOSTERT
Manchmal ähnelt
das Richterdasein schon der
Arbeit von Ermittlern - wenn
Sachverhalte geklärt oder Zeugen
vernommen werden müssen.
Andreas Hoppert verbindet
die beiden Jobs - den des
Richters und den des Detektivs.
Ersteren real am Detmolder
Landgericht, Letzteren fiktiv
in seinen Krimis, in Person
des Rechtsanwaltes Marc
Hagen, der detektivisch arbeiten
muss» um seine Fälle zu
lösen.
„Der Fall Helms" hieß 2002
der erste Krimi Hopperts, Er
thematisiert den Tod des
mutmaßlichen Terroristen Wolfgang
Grams im Juni 1993, der
unter bis heute nicht restlos
geklärten Umständen während
eines GSG-9-Einsatzes in Bad
Kleinen ums Leben gekommen
war. Bei Hoppert heißt Grams
Klaus Helms, der Ort des
Geschehens ist das fiktive
Bad Reichen - aber die äußeren
Umstände habe ich exakt beschrieben -
sagt Hoppert, der aufwändig
recherchiert hat. "Die
Schlussfolgerung ist natürlich
fiktiv, aber durchaus denkbar."
Der in Bielefeld wohnende
Hoppert, 41, schildert die
Geschichte von Helms' Tochter, die
vorm Sozialgericht Anspruch
auf Leistungen nach dem
Opferentschädigungsgesetz
einklagen will - und dafür nachweisen
muss, dass ihr Vater erschossen
wurde, Hagen übernimmt den
Fall. Der Autor entwirft eine
spannende Story, in der sein
Protagonist beim Versuch, die
Identitäten zweier GSG-9-Mänher
zu klären, jede Menge gefährlicher
Situationen zu meistern
hat. Ein spannender
443-Seiten-Krimi mit viel
Lokalkolorit und einem Show-down
am Detmolder Gericht.
Hoppert legt viel Wert auf einen
dichten Plot und auf eine komplexe Handlung, er beschränkt
sich auf drei, vier Hauptpersonen und verzichtet auf allzu
detaillierte Beschreibungen - dennoch finden sich eine Menge bekannter Bielefelder Ecken und
Kneipen wieder.
Andreas Hoppert freut sich
über seinen Beruf, den er. einen
„Traumberuf nennt. Mittlerweile ist er für Verkehrsrechts-Sachen zuständig. Doch das
Schreiben gibt ihm Gelegenheit,
das zweite in seiner Brust schlagende Juristen-Herz auszuleben, sich in den Anwalt Marc
Hagen zu versetzen. Dem es übrigens nie so richtig gut geht, die
Kanzlei läuft eher bescheiden.
"Aber da kenne ich viele, denen
geht es genauso. Es gibt immer
mehr Rechtsanwälte in
Deutschland."
Ein Sozialrichter, der Krimis
schreibt - Hoppert ist durch
sein damaliges Fachgebiet
Schwerbehindertengesetz auf
den Plot seines Krimis gekommen, denn er hatte auch mit
Opferentschädigung zu tun.
„Dann habe ich in der Zeitung
gelesen, dass die Eltern des
Wolfgang Grams die Bundesrepublik Deutschland auf Erstattung der Beerdigungskosten
verklagt hatten - dann könnte
doch auch eine fiktive Tochter
vor Sozialgericht ziehen, warum
nicht?" Die Idee fürs Buch war
geboren.
Anderthalb Jahre hatte Hoppert an seinem Roman geschrieben,
ganze Kapitel wieder verworfen, recherchiert. Pausen gemacht,
Szenen wieder umgeschrieben. „Die ersten Seiten
waren grauenvoll, ich habe sie
wieder in die Ecke geschmissen." Dennoch: Es hatte
ihn gepackt. "Ich habe mich einfach hingesetzt und geschrieben, geschrieben, geschrieben.
Nur ein, zwei Freunde, sonst hat
das kein Mensch gewusst. Das
war ein relativ einsamer Job, ich
habe mit keinem über die Story
gesprochen, es gab keinen Austausch."
War das Manuskript eines
ersten Krimis noch zurückgeschickt worden, hatte er nun
mehr Glück: Der Dortmunder
Grafit-Verlag, der sich mit Regionalkrimis einen Namen gemacht hat, veröffentlichte den
"Fall Helms" - mit schwarzem
Einband und vermummten,
rennenden Polizisten auf dem
Cover. Hoppert: "Auch wenn
das Buch kein Verlag genommen hätte - ich hätte weiter geschrieben, es macht mir einfach
riesigen Spaß."
Dass dieser Spaß auch anderen gefällt, freut Andreas Hoppert natürlich - der zweite Band
("Erbfall") erschien 2003, der
neueste Fall für Marc Hagen
("Die Medwedew-Variante")
gibt es ab Mai. Der vierte Band
ist so gut wie fertig, und auch
den fünften Fall hat er schon im
Kopf.
Changiert zwischen Realität und Fiktion: Andreas Hoppert richtet in der Wirklichkeit und begibt sich in
seinen Büchern in den detektivischen Anwalt Marc Hagen. FOTO: GERSTENDORF-WELLE |
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Verlag Grafit 443 Seiten 10.40 Euro Bestellnr. L 7856

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