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Jürgen Reitemeier Wolfram Tewes:
Fürstliches Alibi -
Ein Regional-Krimi aus Lippe

Verlag topp+möller, 218 Seiten, 16.80 DM, Bestellnr L 2698

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Wenn auch die Figuren manchmal etwas überzeichnet sind. Der Krimi ist spannend und voller überraschender Wendungen. Und der Reiz eines Regionalkrimis liegt einfach darin, dass Täter oder Kommissar plötzlich in die Kneipe gehen, in der man vor kurzem selbst war, das der Streifenwagen die Strasse entlang rast, die man selbst zur Arbeit immer fährt usw.
Reimund Neumann, gelesen Oktober 2000

Die Lippischen Landeszeitung, einer deren Redakteure im Krimi eine überaus negative Figur abgibt, beschreibt den Krimi und seine Entstehung am 20.9.2000

Wenn es dunkel wird im Paläisgarten

Jürgen Reitemeier und Wolfram Tewes schreiben den ersten lippischen Regionalkrimi

Detmold(blu). Das schwedische Autoren-Duo Sjöwall/ Wahlöö ist ein Erfolgsmodell: Einen kriminologischen Bestseller nach dem anderen bringen die Beiden auf den Markt. Jetzt haben die Schweden ihr lippisches Pendant gefunden: Jürgen Reitemeier und Wolfram Tewes haben den ersten Krimi geschrieben, der die dunklen Ecken Detmolds als Tatorte für schaurige Verbrechen entdeckt.

Fürstliches Alibi" heißt das Buch, das im Detmolder Verlag topp+möller erschienen ist. Und darin geht es um einen Toten, der einem Gärtner beim Rasenmähen im Park buchstäblich unter die Räder gerät, und um jede Menge geklauter Autos. Josef Schulte, Hauptkommissar bei der Detmolder Kriminalpolizei, und seine beiden Kollegen, die Kommissare Maren Köster und Axel Braunert haben alle Hände voll zu tun, die ineinander verwickelten Handlungsstränge zu entwirren.

Was nach ganz gewöhnlicher Krimi-Handlung klingt, entfaltet seinen speziellen Reiz für waschechte Lipper. Denn lippisches Lokalkolorit bietet das „Fürstliche Alibi" gleich seitenweise. Da gibt es einen Banküberfall in Schwalenberg, abends treffen sich die fiktiven Detmolder im „Stuck", das Jagdhornbläsercorps „Teutoburg" stößt in die Fanfaren und der Baron von Exterstein spielt eine höchst mysteriöse Rolle.

Die liebenswert gezeichneten Protagonisten tragen Namen wie Fritzmeier oder Grundkötter und ab und zu findet sich eine Äußerung im lippischen Idiom: Mensch, Jupp, dat chipt et doch chanich!" Über die kriminelle Energie, die sich im beschaulichen Detmold entwickeln lässt, wundern sich selbst die„Insider": „Was ist denn in Lippe los? Wir sind doch hier nicht in Chicago", heißt es auf Seite 147. Kein Problem für Reitemeier und Tewes, die mit diesem Band ihr Erstlingswerk vorlegen: Sie spüren auch in der vermeintlichen Idylle die Pfade abseits der Legalität auf. Tewes: „Wir haben zuerst die Charaktere gescharfen Die Handlung entwickelte sich danach ganz folgerichtig."
Beide arbeiten in komplett anderen Berufsfeldern, haben sich das Schreiben Seite für Seite erarbeitet. Zunächst was das Ganze nicht mehr als ein Projekt, um die öden Winterabende herumzubekommen. "Fürs Fitness-Studio fühlten wir uns zu alt und für die Midlife-Crisis zu jung", erinnert sich Reitmeier Was dann kam, war Teamarbeit. Sie planten, schrieben, legten sich gegenseitig die Seiten zum Korrekturlesen vor. Klar, dass der Umsatz ihrer Stammkneipe in der „heißen Phase" kräftig anstieg.

Für das dort gewährte Asyl be- dankten sich die Autoren damit, dass sie der Gaststätte ein literarisches Denkmal setzten. Ebenso übrigens, wie der heimischen Gastronomie generell. Reitemeier: „Das Buch lässt sich auch als Führer durch die lippische Gastronomie-Szene lesen." Denn mögen die Detmolder als Schriftsteller auch blutige Anfänger seien - was Lippe angeht, sind sie, die hier seit vielen Jahren leben, beinharte Profis. Reitemeier: "Für mich war es schön, zu erleben, dass man das hinbekommt: das Arbeiten im Team und als Ergebnis ein Buch, das wie aus einem Guss wirkt." Spannung, Satire, Zeitgeist, augenzwinkernde Seitenhiebe auf den Lipper an sich - all das findet sich im "Fürstlichen Alibi". Dabei bleiben alle Figuren sympathisch. Tewes: " Einen richtigen Fiesling gibt es nicht."

Durchweg gute Kritiken gab 's von den „Testlesern", etwa von Alfons Holtgreve, der das Titelbild gestaltete, oder von Verleger Jochen Ehrhardt, der mit diesem Band einen ersten Schritt in den Sektor der Regionalkrimis wagt. Dass das nicht der letzte bleibt, dafür wollen Reitemeier und Tewes sorgen. Der zweite Band ist bereits in Arbeit. Das könnte der Beginn einer langen Erfolgsgeschichte sein. Sjöwall und Wahlöö lassen grüßen.

 

 
   
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