Bericht in der Lippischen Landeszeitung vom 4. Januar 2003
"Zwischen allen Stühlen" Autorenduo Jürgen Reitmeier und Wolfram Tewes erfolgreich mit Regional-Krimis
Detmold. Zum Glück gibts in der Residenzstadt Detmold
eine Truppe aufgeweckter Kripo-Kommissare. Während
nämlich Hermann auf dem Kamm des Teutoburger Walds,
das Schwert steil in die Höhe gereckt, wachen Auges nach Westen schaut, rührt sich hinter seinem Rücken keck das internationale Verbrechen.
Richtig gelesen. Keine Raufhändel, kein Waldfrevel, keine
Marktbetrügereien und Gelegenheitsdiebstähle, sondern
organisierter Autodiebstahl, Übervorteilung durch
Grundstücksspekulationen, Handel mit Hormon-verschnittenem Tierfutter, Schutzgelderpressung, schließlich Mord, sogar unter honorigen Bürgern.
Zum Glück lassen sich Schulten Jupp, Mären Köster oder
Axel Braunert, die Kripo-Besatzung in der Detmolder Kreispolizeibehörde,
nicht einschüchtern, wenn es ihnen auch schon
einmal selbst schier ans Leben
geht oder gesellschaftliche Rücksichten - die Machtverhältnisse
im Detmolder Land - weitere
Nachforschungen eigentlich verböten. Sobald das Ermittler-Fieber die Kommissare schüttelt, geben sie auch bis zu 368 Kriminalroman-Seiten lang keine Ruh.
Wir Leser begleiten die scharfzugeschnittenen Figuren gern, dabei nicht selten durch persönliche Tiefen. "Der schönste Platz ist immer der zwischen allen
Stühlen", so lautet das Lebenmotto von Josef Schulten, der
sich - ein gewiss böses Wort - konsequent als "Prolet in gehobener Beamtenlaufbahn"
gebärdet.
Lippische Variante mitausgeprägtem Lokalkolorit
Erfunden wurde die Kommissariats-Besatzung von Jürgen
Reitemeier und Wolfram Tewes. Dem boomenden Genre
des Regionalkrimis fügen sie die
lippische Variante mit ausgeprägtem Lokalkolorit zu.
Bier trinkt so ein lippischer Kommissar aus der Flasche mit
Bügelverschluss, abgefüllt von "Strate". Zum Geplauder mit
dem bestinformierten Journalisten der führenden "Heimatzeitung", die in Lippe aber anders
heißt, trifft man sich im "Detmolder Hof". Am besten von allen schmeckt in der Residenz
"Rudolffs Rostbratwurst". In der Detmolder Buchhandlung
"Kafka & Co" deckt sich ein abgespannter Kommissar fürs Wochenende mit Krimis ein. Und
weil Reitemeier und Tewes aus Warburg stammen, ist man dort
am Markt in der Altstadt zum Wein bei dem Künstler, Zeichner und Illustrator Alfons
Holtgreve zu Gast. Auch den gibt es wirklich; Holtgreve verpasst den
Krimis das Titelblatt.
Mit "Stürmerfoul" ist davon der dritte erschienen, während der erste Krimi, "Fürstliches Alibi", herausgebracht im Jahr 2000, beim Detmolder Verlag
"topp + möller" schon in die vierte Auflage ging. Rund 20.000
Exemplare beträgt zusammen mit dem zweiten Roman, "Der Berber", die Gesamtauflage
binnen drei Jahren, obwohl die Krimis überwiegend im Ostwestfälischen und Lippischen gekauft
werden.
Immerhin, lippische Polizisten geben gelegentlich Sammelbestellungen auf. "Die finden
das drollig", sagt Tewes, die Romane würden von den lippischen Fachleuten der
Verbrechensbekämpfung mit viel Wohlwollen gelesen.
Reitemeier und Tewes, beide Mitte 40, haben sich beim Studium an der Universität
Paderborn kennen gelernt. Reitemeier ist heute Geschäftsführer der
Weiterbildungseinrichtung "Arbeit und Leben" in Detmold, Tewes, der sich mit den Romanen
den Kindertraum des Schriftstellers erfüllt, leitet ein Team von
Anzeigenberatern der "Neuen Westfälischen" in Paderborn.
Die Idee zu den Krimis entsprang einer "Bierlaune", die Arbeit daran gestaltet sich weniger
gemütlich. Erst die Figuren erfinden, dann den Plot entwerfen,
dann schreiben bei gegenseitiger Abstimmung und peinlicher
Korrektur. Autorenstolz? "Man muss lernen, sich kritisieren zu
lassen", sagt Reitemeier. Und schauen, dass die Freundschaft stabil bleibt.
Von Buch zu Buch ist die Schreibe professioneller
Von Buch zu Buch sind die Schreibe professioneller, das Geschehen dichter, Handlung,
Motiv und Hintergrund überzeugender geworden. Im jüngsten,
"Stürmerfoul", lassen die beiden Autoren souverän viele
Handlungsstränge nebeneinander her laufen, abwegig, wie es
scheint, bis nach Hasselt in Belgien. In einem skurrilen "Showdown" bei einem Meisterschaftsspiel des TBV Lemgo, bei dem
sich Schulten Jupp unter den Handballfans einige Feindschaft
einhandelt, platzt der Knoten. Alles beste Unterhaltung.
VON MANFRED STRECKER
|
|
Weitere Bücher aus den Bereichen:
Krimi
Regionales Lippe OWL
Übersicht alle Rezensionen
Übersicht Rezensionen von Mitarbeitern
Verlag Topp+Möller
368 Seiten 12.90 Euro Bestellnr. L 2584
Kurzbeschreibung "Stürmerfoul"
Verlag Topp+Möller
288 Seiten 10.20 Euro Bestellnr. L 9868
Kurzbeschreibung "Der Berber"
Verlag Topp+Möller
218 Seiten 8.60 Euro Bestellnr. L 2698
Kurzbeschreibung "Fürstliches Alibi"
|