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Astrid Lindgren

Die bekannteste Kinderbuchautorin der Welt, wurde 1907 auf Näs im schwedischen Smaland geboren, wo sie im Kreis ihrer Geschwister eine überaus glückliche Kindheit verlebte. Für ihre mehr als siebzig Bilder-, Kinder- und Jugendbücher, die in über siebzig Sprachen übesetzt worden sind, wurde sie u.a. mit folgenden Preisen ausgezeichnet: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - Alternativer Nobelpreis - Internationaler Jugendbuchpreis - Hans-Christian-Andersen-Medaille - Große Goldmedaille der Schwedischen Akademie - Schwedischer Staatspreis für Literatur - Deutscher Jugenditeraturpreis - Prämie. Eine Auswahl Ihrer Bücher
Astrid Lindgren

Ein Artikel aus der Rubrik -Bücherschicksale- der Zeitschrift  Buchmarkt 

Pippi Langstrumpf war den Verlegern zu frech!

Schluss mit der dümmlichen Backfisch-Literatur

... Mädchenbücher gehören in die unterste Kiste der Leihbüchereilektüre. Früher war es einmal so. Dann kam Pippi Langstrumpf. Doch die Geburt der sommersprossigen Rotznase leitete einen Sturm der Empörung ein...

Erzähl mir von Pippi Langstrumpf', bat die siebenjährige Karin Lindgren 1941 ihre Mutter. Diese kannte gar kein Mädchen namens Pippi Langstrumpf, denn das war nur eine Fieberphantasie ihrer kranken Tochter. Astrid Lindgren, damals Hausfrau, musste sich also was einfallen lassen. „Der Name war so verrückt, dass die Geschichten entsprechend ausfielen", erinnert sie sich. Doch die Geschichten gefielen, und so musste die geplagte Mutter in den Folgejahren immer neue Abenteuer erfinden und ihren und Nachbars Kindern erzählen. Aufgeschrieben wurden sie erst 1944. Astrid Lindgren lag gerade mit einem verstauchten Fuß zu Bett. Dass sie dann das Manuskript ausgerechnet an Bonnier schickte, mag Zufall gewesen sein.

Kein Zufall aber und nicht unerwartet war dessen Ablehnung. Astrid Lindgren in ihrem Begleitschreiben: „Beiliegend erlaube ich mir, Ihnen mein Kinderbuchmanuskript zu schicken, dessen baldiger Rücksendung ich voller Vertrauen entgegensehe (...) in der Hoffnung, dass Sie nicht das Jugendamt alarmieren." Die Befürchtung war nicht aus der Luft gegriffen, denn Pippi triumphiert frech und unverhohlen über Lehrer und Polizisten, stellt Naturgesetze und gute Sitten auf den Kopf, schläft so lange sie will und mit den Füßen auf dem Kopfkissen. Das Ablehnungsschreiben, das mehrere Monate auf sich warten ließ, verriet denn auch verlagsinteme Meinungskämpfe: Obwohl man die Originalität des Textes zu schätzen wisse, wage man nicht, ihn zu veröffentlichen. Verleger Gerhard Bonnier wörtlich: „Ich hatte selbst kleine Kinder und stellte mir voller Entsetzen vor, was passieren würde, wenn sie sich dieses Mädchen zum Vorbild nähmen."

Noch während Astrid Lindgren auf Nachricht vom Verlag Bonnier wartete, schrieb sie ein zweites Mädchenbuch: „Britt-Mari erleichtert ihr Herz". Dafür erhielt sie 1944 bei einem Wettbewerb des Verlags Raben & Sjögren den 2. Preis. Das spornte an und motivierte, das Pippi Manuskript noch einmal zu überarbeiten, um es dann 1945 an Raben & Sjögren zu senden. Anlass war ein Wettbewerb. Pippi Langstrumpf erhielt den l. Preis, und ein Sturm der Entrüstung brach los. In der Abendzeitung „Aftonbladet" wurde die Autorin als untalentiert und vulgär und die Jury als verantwortungslos beschimpft.

Für Pippi war im Nachkriegseuropa die Zeit nicht reif, schon gar nicht in Deutschland, wo fünf Verlage (darunter Thienemann und Ellermann) das Buch abgelehnt hatten, bevor schließlich Friedrich Oetinger (während des Kriegs Verlagsleiter bei Ellermann) von Astrid Lindgren persönlich die Option erhielt. Allein in Deutschland wurde Pippi Langstrumpf seit 1949 über 6 Mio. Mal verkauft.

Der schwedische Originalverlag Raben & Sjögren wurde 1946 durch Pippis gigantischen Erfolg vor dem wirtschaftlichen Aus gerettet. „Wenn Pippi nicht gewesen wäre, hätte der Verlag damals nicht überlebt", bekennt Hans Raben später in einem Interview. Bis heute wurden Lindgren-Titel weltweit in 86 Sprachen übersetzt und über 130.000.000 mal verkauft. Darüber mag man sich bei Bonnier ganz besonders gegrämt haben, denn der hatte Pippi ein zweites Mal abgelehnt, als ihm Raben & Sjögren 1945 das gesamte Paket aus der Not heraus zum Kauf anbot.

J. Christen in der Zeitschrift  Buchmarkt  Ausgabe Oktober 2003


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