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Lippische Landeszeitung vom 1. April 2007 Einer bleibt verschwundenVerfahren gegen letzten Mörder von Felix Fechenbach eingestelltDetmold/Warburg.(von Ulrich Pfaff) „Auf der Flucht erschossen" - so hieß im „Dritten Reich" die diskrete Beseitigung von Nazi-Gegnern. Die Schergen selbst nannten es „Pissen gehen" - eine ablenkende Aufforderung an die Opfer, unmittelbar bevor die tödlichen Schüsse fielen. Auch der Journalist Felix Fechenbach wurde so ermordet. Jetzt hat die deutsche Justiz die Ermittlungen gegen den letzten mutmaßlichen Täter endgültig eingestellt - nach 74 Jahren. Als Fechenbach - Sozialdemokrat, Journalist und Jude -am 7. August im Kleinenberger Wald zwischen Detmold und Warburg von vier stadtbekannten Detmolder SA- und SS-Angehörigen hinterrücks niedergeschossen wurde, hatte er in Lippe und darüber hinaus längst Berühmtheit als Gegner der neuen rechten Machthaber erlangt. 1894 im unterfränkischen Bad Mergentheim geboren, kam er schon vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zur Sozialdemokratie, war nach der Novemberrevolution Sekretär des - 1919 ermordeten - bayrischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner. In der Weimarer Republik schrieb Fechenbach mit spitzer Feder für Zeitungen im In- und Ausland. 1929 ließ er sich in Detmold nieder und bekämpfte als Redakteur beim sozialdemokratischen „Volksblatt" die Nazis auch unter dem Pseudonym „Nazi-Jüsken" mit vielbeachteten Glossen. Nach der Machtübernahme der Nazis im Januar 1933 wurde die Zeitung verboten, Fechenbach erhielt Redeverbot, am 11. März wurde er in „Schutzhaft" genommen. Seine Annahme, er sollte in ein Konzentrationslager gebracht werden, erwies sich nur zum Teil als zutreffend: Der Wagen, der ihn zum Bahnhof in Warburg und zum Zug ins KZ Dachau bringen sollte, hielt bei Kleinenberg an - Fechenbach wurde von seinen Bewachem im Wald nahe der Straße mit Pistolenschüssen niedergestreckt.
Wer die Täter waren, ist hinlänglich bekannt: Karl Segler, Friedrich Grüttemeyer, Paul Wiese und Josef Focke.
Grüttemeyer erhielt im Jahr 1969 wegen Beihilfe zum Mord vier Jahre Zuchthaus, Segler konnte keine direkte
Tatbeteiligung nachgewiesen werden, Wiese, zwölf Mal vorbestraft, erhielt 1948 fünf Jahre Zuchthaus wegen
„vorsätzlichen Totschlags" - die Mindeststrafe.
Bleibt Josef Focke - bis heute nicht gefasst. 1907 geboren, würde Focke in diesem Jahr 100. Trotz Suche mit Haftbefehl gelang es der Justiz über Jahrzehnte nicht, den letzten Verdächtigen im Mordfall Fechenbach aufzuspüren. Letzter Aufenthaltsort Fockes im Jahr 1947 war ein Internierungslager bei Ludwigsburg, aus dem er fliehen konnte. „Er war nie wieder aufzufinden", sagt Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß, Leider der Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Ermittlung von NS-Verbrechen in Dortmund, gegenüber der LZ. Also habe er Anfang des Jahres das Verfahren eingestellt, so Maaß. Selbst wenn Focke noch leben würde, sei nicht mehr daran zu denken, ihn vor Gericht zu stellen, wenn er denn zu finden wäre - „aber er kann gar nicht mehr leben", ist Maaß sicher. Den entscheidenden Tipp im Jahr 2006, um die Ermittlungen gegen Focke wieder aufzunehmen, habe er aus Detmold bekommen, dazu „hervorragende Mithilfe", sagt Maaß. Dr. Andreas Ruppert, der Detmolder Stadtarchivar, kennt die Fechenbach-Unterlagen nahezu auswendig. Maaß habe ihn angeschrieben auf der Suche nach einem Zeugen - „der war aber seit 40 Jahren tot", so Ruppert. Dafür sei der Oberstaatsanwalt sehr überrascht gewesen, jemanden zu finden, der in dem Verfahren so genau Bescheid wusste. Ruppert stellte den weiteren Kontakt zum Staatsarchiv her, wo die Akten aus dem Paderborner Prozess gegen Grüttemeyer verwahrt werden. „Auf der einen Seite verständlich, auf der anderen Seite schade, dass die Tatbeteiligten nicht alle zur Rechenschaft gezogen werden konnten, wie eben bei vielen NS-Verbrechen", urteilt Rainer Brinkmann, Vorsitzender der Felix-Fechenbach-Stiftung, über die Einstellung des Verfahrens. Sicherlich werde er bei der jährlichen Feier am Gedenkstein für Fechenbach im Kleinenberger Wald an dessen Todestag auf die aktuelle Entwicklung eingehen. Dort ist die Konfrontation mit rechtsradikalem Gedankengut in konstanter Regelmäßigkeit an der Tagesordnung: Immer wieder wird der Gedenkstein mutwillig beschädigt, zuletzt wurde die Stahlplatte mit der Inschrift gestohlen. Quelle: Lippische Landeszeitung vom 1. April 2007, Foto: LZ-Archiv (Fechenbach auf einem Foto in einem Buch für seine Kinder Übersicht über Links, Ereignisse und Aktivitäten in Erinnerung an Felix Fechenbach
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