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Bund Verlag
Heddernheimer Landstrasse 144
60439 Frankfurt / Main
Tel. 069 - 7950100
Fax 069 - 79501010
      

Hintergrundbericht:
Vom Gewerkschaftsverlag zum PROFIT-CENTER
Die Metamorphose des Bund Verlages

ein Bericht entnommen der Branchenzeitschrift "Buchmarkt" 12/99 (Petra Rupp)
      


Logo Bund Verlag Den Ruf eines allzu trockenen Gewerkschaftsverlags will der Bund Verlag, der seit mehr als 50 Jahren Fachliteratur zum Arbeits- und Sozialrecht publiziert, endlich verlieren. "Das verstaubte Image hing uns immer etwas nach", lächelt Pressesprecherin Ann-Charlott Ullrich, „"doch wir bewegen uns mittlerweile in ganz normalen Verlags-Bahnen." Zur Verlags-Gruppe gehören außer dem Bund Verlag der AiB-Verlag, der 1998 von der ÖTV übernommene Courier-Verlag und eine Versandbuchhandlung, die insgesamt 60 Mitarbeiter beschäftigen. Für das Jahr 1999 wird ein konsolidierter Umsatz von rund 20 Millionen Mark erwartet. Aber der Bund Verlag will mehr: „"Mittelfristig wird ein Gruppenumsatz von 30 Millionen angestrebt", erklärt der am l. Juli 1999 neu als Geschäftsführer eingestiegene Christian Paulsen.

Der Zahlenmensch Paulsen weiß, wovon er spricht. Er gehört zu der neuen Generation von Führungskräften, die aus dem kaufmännischen Bereich in das verlegerische Geschäft einsteigen. Nachdem er kaufmännische Aufgaben beim Fernsehsender Sat l innehatte, war er als Beteiligungsbetreuer für den Bund Verlag bei der Beteiligungs-Gesellschaft BGAG zuständig. „"Ich wachse derzeit in die verlegerischen Aufgaben hinein", umschreibt der 38-jährige die neue Tätigkeit. Ohne gutes Team sei das so nicht zu machen, räumt er ein, das aber gibt es und seine Stärke sieht er logischerweise auch im kaufmännischen Bereich. „"Nach diesen Gesichtspunkten" führe er auch den Verlag, „"Umsatz und Ergebnis" sind für ihn die Eckpunkte, an denen er den verlegerischen Erfolg festmacht. Mit viel Elan und Spaß an der neuen Aufgabe bewältigt Paulsen derzeit das Pensum. Fern von jeglicher Betriebsblindheit empfand er die erste Buchmesse in Geschäftsführer-Position als anregend und voller Ideen für das Bund-Programm.

Der Verlag gehört mittlerweile zur BGAG-Gruppe. Anders als unter dem ehemaligen Eigner DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund), der das Unternehmen 1947 mit der Absicht gründete, einen Verlag für die eigenen gewerkschaftlichen Publikationen zu besitzen, ist das Programm heute auf rein marktorientierte Fachinformation ausgerichtet. Der BGAG wirke einzig als „"strategische Managementholding", so Ullrich, und kontrolliert als Dachorganisation die Gelder.

Etwa 1995 begann eine Umstrukturierung, die den Verlag fit für den freien Markt machen sollte. Im Sinne einer Bereinigung fielen politische und belletristische Titel aus dem Programm. Mit dem Umzug von Köln nach Frankfurt in 1997 ließ man altes Terrain endgültig hinter sich und zu dem Zeitpunkt war auch die Umstrukturierung so gut wie gelungen.

Coverabb. Arbeits- und SozialrechtEine der Stärken der Bund VerlagGruppe ist nach wie vor die große Kundenbindung an die Zielgruppe der Betriebs- und Personalräte, für die man Bücher, Zeitschriften und Seminare im Programm hat. In der Vergangenheit entstanden durch die Geschäfte mit den betrieblichen Interessen Vertretern jedoch starke Umsatzschwankungen. Denn in den Jahren, in denen Betriebsratswahlen stattfinden, ist ein enormer Bedarf an Literatur für die jeweils frisch Gewählten vorhanden, die Umsatzzahlen steigen jedes Mal entsprechend, in der Zeit zwischen den alle vier Jahren stattfindenden Wahlen gehen die Umsätze allerdings wieder zurück.

Das Ziel der letzten Jahre bestand darin, für die Zeit zwischen den Wahlen ein Programm zu entwickeln, das die abrupt sinkende Umsatzkurve auffangen konnte. „Diesen Effekt fangen wir mittlerweile durch eine Öffnung in Richtung juristischer Literatur und Ratgeber auf, so Paulsen. Die enorme Zuwachsrate in 1998 von über 30 % auf rund 25 Mio. Mark ist bedingt durch Betriebsratswahlen und durch den Zukauf des Courier-Verlags. Der Gruppen-Umsatz wird sich in 1999 voraussichtlich auf 20 Mio. zuzüglich 2 Mio. aus einem Beteiligungsergebnis verringern, aber mit einem wahrscheinlich gleichbleibenden operativen Ergebnis von l ,2 Mio. kompensiert der Verlag endlich die sonst nachlassende Nachfrage der Betriebsräte außerhalb der Wahljahre. In den Schwerpunktbereichen Arbeit und Beruf kümmert sich der Verlag zunehmend auch um populärere Reihen. In 1999 wuchs besonders das Ratgeber-Segment. Gerade der Bestseller 111 Tipps für Arbeitslose", der sich bisher etwa 500.000 mal verkaufte (und trotzdem auf keiner Bestseller-Liste auftauchte", so Ullrich), hat sich bezahlt gemacht. Mit einer Reihe unter dem Namen "111 Tipps" wird nun versucht, an den Erfolg dieses Titels anzuknüpfen.

Mit den neuen Projekten konnten neue Kundenkreise wie Rechtsanwälte, Richter und Unternehmenspraktiker gewonnen werden und auch der Buchhandel ist angetan. Vetriebsleiter Dieter Bund bemerkt ein entschieden besseres Verhältnis zum Buchhandel". Die neuen Ratgeber sind attraktiv aufgemacht, kommen in knalligen Farben daher und sind im leichtverkäuflichen Preissegment von 20 Mark angesiedelt. Für das Jahr 2000 sind 70 Neuerscheinungen und Neuauflagen geplant, davon werden allein 14 auf den Ratgeber-Bereich fallen. Aktivere Marketingmaßnahmen haben das Programm im Handel bekannt gemacht und Dieter Bund bietet auch Schulungen für Sortimenter an, beispielsweise zum Direkt-Marketing. Das werde angenommen, "könnte aber mehr sein", so Bund.

"Inhalte sichern" sei die generelle Philosophie des Hauses, gibt Christian Paulsen an. Darüber hinaus wird aber auch über Wachstum nachgedacht. Das will er erst einmal über weitere Programmausrichtungen schaffen und rechnet mit einer Umsatzerwartung wieder über dem Branchenniveau". Er bietet aber auch anderes an: "Wenn ein Verlag im juristischen Bereich Interesse hat, seinen Weg mit uns zu bestreiten, habe ich nichts dagegen. Eine gesicherte Position am Markt können wir vorweisen."

PETRA RUPP

 

 
   
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